
»Herr Bello und das blaue Wunder« begeistert das junge Publikum im Stadttheater – Wunderschönes Bühnenbild
Ein wunderschönes Bühnenbild, eine mit reichlich Slapstick-Elementen gespickte unterhaltsame Geschichte und eine Schauspielerriege, die mit jeder Menge Spaß agiert – was braucht es mehr, um ein Familienstück zum Erfolg zu führen?
All das bietet »Herr Bello und das blaue Wunder «, das gestern im großen Haus des Stadttheaters Premiere feierte. Das
von »Sams«-Erfinder Paul Maar und Ulrich Limmer geschriebene Stück ist für Kinder ab sechs Jahren geeignet und in der ausgesprochen liebevollen Inszenierung von Abdul-M. Kunze ein Muss für alle Familien. Erzählt wird die Geschichte
von Papa und Sohn Sternheim, deren Hund Bello durch ein wundersames blaues Elixier plötzlich Menschengestalt annimmt. Dass das für allerlei Turbulenzen sorgt, versteht sich von selbst. Doch dass sich Papa Sternheim auch
noch in die liebreizende Mieterin Frau Lichtblau verliebt, Sohn Max sich aber mit allen Mitteln gegen sie als neue Mutter zur Wehr setzt und versucht, Herrn Bello mit ihr zu verkuppeln, macht das unterhaltsame Chaos komplett.Wie es in allen
Märchen eben der Fall ist – am Ende fügt sich trotzdem zusammen, was zusammengehört und alle sind es zufrieden.
»Herr Bello und das blaue Wunder« basiert auf dem 2005 erschienenen gleichnamigen Roman, der 2007 mit Armin Rohde als Herr Bello verfilmt wurde. Paul Maar hat dafür mit Ulrich Limmer das Drehbuch geschrieben und auch gleich das Theaterstück miterarbeitet. Schauspieler Frerk Brokmeyer braucht den Vergleich mit der grandiosen filmischen Umsetzung des menschenähnlichen Hundes durch Armin Rohde nicht zu scheuen. Wenn sein Bello trotz menschenartiger Gestalt seine hündischen Verhaltensweisen beibehält – Hühner jagt oder sein Beinchen hebt –, dann haben die Jungen und Mädchen im Publikum jede Menge zu lachen. Auch Kyra Lippler, die gleich in mehreren Rollen
zu sehen ist und als durch den Zaubertrank kurzfristig zum Mensch gewordenes Hund über die Bühne albert, macht es Spaß zuzusehen. Roman Kurtz mimt den von der ganzen Situation etwas überforderten Vater Sternheim ungemein sympathisch. Dominik Breuer spielt Sohn Max mit Latzhose und kindlichem Gemüt sehr überzeugend und Barbara Stollhans scheint als flirtende Frau Lichtblau irgendwie einem Film aus den 60er Jahren entsprungen zu sein. Ein ganz dickes Lob hat sich Bernhard Niechotz verdient. Er hat ein Bühnenbild geschaffen, das mit seiner kräftigen Farbigkeit, den vielfach zu nutzenden Handlungsorten und der sparsam aber wirkungsvoll eingesetzten Ausstattung beeindruckt. Man hat das Gefühl, in einem Bilderbuch zu blättern, wenn sich die Bühne dreht und mal die Apotheke der Sternheims, dann wieder Max’ Kinderzimmer, ein Restaurant oder ein Zauberwald erscheinen, dann sorgt das immer wieder für Aha-Effekte. Einfach klasse! »Einfach klasse!« fanden auch die jungen Premierenzuschauer die Vorstellung. Man spürte, dass sie die Geschichte um Herrn Bello in ihren Bann zog. Die rührenden Momente wurden ebenso begeistert aufgenommen wie die zahlreichen Slapstick-Einlagen. Und am Ende riefen alle mit Inbrunst: Zugabe, Zugabe, Zugabe.
Karola Schepp, Gießener Allgemeine Zeitung, 12.11.2010